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Offline-Werbung, ohne Print = Undenkbar!

Das haptische Erlebnis können Internet & Co. nicht liefern.

Im «Jungle des Internets» und all den Online-Werbemöglichkeiten ist es geradezu wohltuend, ein sich wertvoll anfühlendes Material in den Händen zu halten.

In Zeiten der Reizüberflutung sind Papier und andere Materialien Medien, die Ruhe ausstrahlen oder besondere Erlebnisse des Fühlens bewirken. Spezielle Verpackungen bieten ein haptisches Erlebnis. Das „in den Händen halten“ kann gewollte Assoziationen auslösen oder beispielsweise den Spieltrieb wecken oder einen Mehrnutzen bieten.

Darüber hinaus können gedruckte Publikationen viel mehr über ein Unternehmen oder Produkt bzw. Angebot aussagen als elektronische Varianten. Sogar eine Visitenkarte wirkt identischer, besonders dann, wenn diese auch noch persönlich mit der Wahrnehmung der mit gegenüberstehenden Person übergeben wird. Hochwertige bedruckbare Materialien wie Broschüren, Geschäftsberichte, Prospekte, Visitenkarten und mehr – auch Materialien aus Holz beispielsweise – vermitteln ein besonderes, sogenannt haptisches Erlebnis. Allerdings spielen das Druckverhalten des Materiales, die Transparenz, Opazität sowie die Möglichkeiten der Verarbeitung, das Preis-, Leistungsverhältnis und die Versandmöglichkeiten eine Rolle, die beachtet werden muss.

In der Regel ist die Halbwertszeit länger, weil der Kunde damit bereits ein eindrückliches Erlebnis verbinden kann sowie mit diesem «Gegenstand» etwas «tun» muss. Er muss sich länger überlegen, ob er ihn weiterverwenden will, im Gegensatz zu den Online-Werbemitteln, die man in Sekundenschnelle wegklicken kann. Eine Entscheidung steht an. Wenn der «Gegenstand» auch noch einen direkten Kundennutzen besitzt, besteht die Chance zur Aufbewahrung oder gar zur Weiterreichung. Wenn damit dann noch eine hohe Begeisterung einhergeht, dann ist die Werbung geglückt. Noch optimaler wird es dann, wenn der Kunde aufgrund dessen eine Handlung vornimmt und den Kontakt aktiv zum Anbieter oder gleich zum Kauf sucht.

Kostenintensiver als Online-Werbung?

Rechnen Sie die Zeit, technischen Mittel, die Bewirtschaftung zum Unterhalt der Medien (Social Media, Bloggen, Website, Newsletter, Bannerwerbung, Affiliate-Werbung, SEO etc.) richtig ein, könnte eine Print-Werbung durchaus effektiver und gleich kostengünstig(er) ausfallen. Auch mit wenigen Mitteln lassen sich wunderbare, ideenreiche, Kunden bindende, spannende Werbemittel kreieren und einsetzen, die der Kunde nicht wieder vergisst und sich gerne daran erinnert.

Überladene Websites

Wenn es blinkt, nach „Wegdrücken“ schreit, eine unübersichtlich gestaltete, vollbeladene Website einen permanent auffordert, irgendwo zu klicken oder, wer dauernd von eingeblendeten Werbungen abgelenkt wird, vor YouTube sitzt und zuerst «noch X-Sekunden bis zum Überspringen» warten muss, ist genervt, verliert die Geduld und damit das Interesse.

Spielerischer Zugang

Auch mit Print-Werbung kann die Neigung zu spielerischem Entdecken befriedigt werden. Dabei werden in der Regel ja die Hände gebraucht; nicht nur für den «Klick-Kick» im Spiele-Onlinebereich. Schliesslich gehört das knackige Knistern einer Chips-Tüte zum Genuss-Erlebnis dazu, wie die salzigen oder mit Paprika versehenen Finger. Und wenn mit dem haptischen Erlebnis auch noch ein spielerisches Entdecken verbunden ist, ermuntert dies den Kunden und hält die Spannung hoch. Wenn er vielleicht auch noch seine eigene kreative Ader beim Entdecken einbringen kann, fördert dies die gesamte Aufmerksamkeit des Consumers.

Marketing von morgen?

Für das Marketing von morgen gilt – gemäss Marketingmessen: Produkte oder Services in hohem Masse individualisieren. Der einzelne Kunde rückt stärker denn je mit seinen Bedürfnissen, Wünschen und Präferenzen in den Mittelpunkt der strategischen Markenführung. So umfasst Individualisierung nicht nur One-to-One-Marketing und Mass Customization, sondern erfordert mit Realtime Pricing und Realtime Advertising ganz neue Marktbearbeitungsstrategien. Und das Netz mit seinen Daten …?

Nun kann ich mir schlicht die auf mich individualisierte Chipspackung nicht wirklich vorstellen…Ich liebe sie in Orange, genau dieser Name und genau diese Packungsgrösse mit dem absolut dauerhaft garantierten Chips-Genuss-Erlebnis, weil ich mich daran gewöhnt habe und ich mir nicht vorstellen kann, dass es noch bessere geben könnte…

Nicht immer wirkt der Individualismus als Garant für Erfolg.

Eine hochgradige Individualisierung der Preis- und Angebotsgestaltung kann vom Consumer nicht wirklich verglichen werden. Gewisse Menschen teilen auch gerne und der Trend zum Teilen hin wird stärker (Sharing-Economy). Es stellt sich die Frage, für welche Angebote die neuen Marketingausrichtungen und -Strategien und das Netz sich eignen.

Individualisierte Preise pro Kunde schafft meiner Meinung nach nicht zwingend die beste Kundenbindung. Dem Kunden fehlt eine Vergleichsmöglichkeit, was ihn verunsichern könnte. Er muss davon ausgehen, dass andere Kunden, die dadurch in Konkurrenz zu ihm stehen, bessere Angebote erhalten und er nicht über alle Möglichkeiten verfügt, mit denen er sein Kaufverhalten auch steuern könnte. Der Kunde will auch von anderen Kunden «lernen», von anderen und deren Bedürfnissen, er will nicht alleine «sein eigener und einziger» Kunde sein. Die Masse an Käufern eines Produktes ist ebenfalls wichtig, weil sie eine Bestätigung des Angebotes abgeben einerseits und andererseits dem Kunden bestätigen, dass er «Geschmack» beweist und/oder im Trend liegt – trotz Individualisierung der Personen.

Es könnte sein, dass ich bei der Kaufentscheidung auf einen «Aspekt» verzichte und einen anderen höher gewichte. Somit möchte ich aus einer Auswahl meine Entscheidung treffen können. Muss ich denn das nehmen, was mir der Anbieter vorschlägt, auch wenn er sein Produkt auf mich zugeschnitten hat?

Der Kunde wird in Zukunft keinen ersichtlichen, direkten Einfluss mehr auf die Preis- und Angebotsgestaltung «seiner» Konsumartikel, Dienstleistungen mehr haben. Lediglich seine Daten im Netz und bei den Anbietern werden ausschlaggebend für die Gestaltung des Produktes sein. Das schafft keine Freiheit sondern Abhängigkeit und Misstrauen. Beispiel: Onlinewelt des Reisens. (Als Kunde erhalte ich Online-Angebote, die vom Preis her genau auf mich zugeschnitten wurden, auf Basis meiner bisher gebuchten Reisen und besuchten Reiseseiten. Dies bedeutet auch, dass ich möglicherweise mehr als mein Nachbar für das gleiche Reiseangebot bezahle als ich müsste.)

Die Marktmacht der Anbieter steigt, der Kunde wird abhängiger und kann selbst nicht mehr steuern. Der Mensch aber braucht Selbstbestimmung, Freiheit, soziale Interaktionen, eine Erlebnisvielfalt, Sicherheiten, uvm.

Wahrnehmungsmöglichkeiten des Menschen: Gerade in einer Online-Werbewelt ist es möglicherweise viel interessanter für einen Kunden, ein Print-Werbemittel zu erhalten, welches ihn in die haptische Erfahrungswelt zurück holt, und er weiss, das Angebot stammt von einem Anbieter, der nicht (nur) auf Algorithmen zugreift sondern auf den persönlichen Bezug, die persönliche Verbindung; möglicherweise schon seit einigen Jahren ein Vertrauensverhältnis mit seinem Anbieter hat.

Es könnte von grossem Vorteil sein, den Kunden in die Entwicklung «seines» Produktes stärker in einen direkten Bezug einzubinden und nicht über die Algorithmen des Netzes. Ein Beispiel sei hier erwähnt: Die Weinwelt. Können Sie sich vorstellen, einen weiteren, neu kreierten, produzierten Wein via Internet zu bestellen, alleine aufgrund der von Ihnen bisher bestellten Weine, ohne diesen vorab kosten zu können? (Eigentlich nur mit Rücknahme-Garantie – oder?.) Vergleichbar mit der Welt der Parfüme…

Ich will mich auch nicht meiner eigenen Entscheidungsfreiheit berauben lassen. Ich wünsche mir eine Angebotsbreite- und tiefe, aus der ich aussuchen darf. Ich will entdecken! Ich möchte wählen dürfen, selbst dann, wenn es gar nicht zu mir passt. Werde ich durch die individualisierten Angebote und die neuen Online-Werbemöglichkeiten vielleicht von anderen Angeboten ausgenommen? Aufgrund welcher Angaben über meine Person im Netz und offline errechnet der Anbieter das Preisangebot? Habe ich als Consumer eigentlich einen «Preis», einen Kundenwert für den Anbieter? Oder sind nur noch meine Daten im Netz (Algorithmen) für den Anbieter relevant?

Schauen wir doch mal wieder in Ruhe und gezielt auf die gute, alte Offline-Werbung! Und nehmen über all unsere Wahrnehmungsmöglichkeiten die Vielfalt der Welt wahr!

Oder woher wüsste das Netz wie ich schmecke?

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